Amalie Pinkus-De Sassi (1910–1996)

Amalie De Sassi, geboren am 4. Juli 1910, entstammt einer einfachen Tessiner Familie, die in Zürich einen Gemüseladen führt. Nach dem frühen Tod des Vaters 1920 bringt die Mutter ihre Kinder allein durch. Amalie entwickelt früh ein Gespür für soziales Unrecht. Obwohl sie eine gute Schülerin ist, kann sie nach der obligatorischen Schulzeit nicht länger zur Schule gehen und beginnt eine Verkäuferinnenlehre bei Globus.

Sie engagiert sich in der „Internationalen Arbeiterhilfe“ (IAH). 1931 reist sie als Schweizer Delegierte nach Berlin an einen Kongress der „Internationalen Arbeiterhilfe“ und anschliessend in die Sowjetunion. Dort trifft sie junge Leute aus der ganzen Welt, die alle eine neue menschliche Gesellschaft aufbauen wollen. Tief beeindruckt kehrt Amalie in die Schweiz zurück und tritt in die Kommunistische Partei ein. Sie wird nach kurzer Zeit „Zellenobmann“ und Mitglied der Zürcher Parteileitung. Sie unterstützt deutsche und italienische politische Emigranten und fährt mehrmals in riskanter Mission nach Deutschland und Italien.

1934 lernt sie Theo Pinkus kennen. 1939 heiraten sie und ihr Sohn Marco wird geboren. Amalie sorgt für das Einkommen und den Haushalt und ist emotionaler Rückhalt der Familie, zu der 1941 und 1949 die beiden Söhne André und Felix hinzu kommen. 1943 trifft sie politisch und persönlich ein herber Schlag. Theo wird aus der Partei ausgeschlossen und Amalie ohne Anhörung gleich mit von der Mitgliederliste gestrichen. Diesen Ausschluss verzeiht Amalie der Partei nie. Obwohl sie politisch grosse Vorbehalte hat, tritt sie der Sozialdemokratischen Partei bei und bleibt bis zu ihrem Tod Mitglied, bezeichnet sich aber zeit ihres Lebens als Kommunistin. Nach dem Krieg arbeitet Amalie in der Friedensbewegung und im Frauenstimmrechtsverband. In den 1970er Jahren, nun schon Grossmutter, wird sie aktives Mitglied der Frauenbefreiungsbewegung (FBB).

Mit Theo zusammen baut sie die Buchhandlung, die Stiftung „Studienbibliothek zur Geschichte der Arbeiterbewegung“ und das Bildungs- und Ferienzentrum „Salecina“ in Maloja auf. Dort bleibt sie bis zu ihrem Tod am 9. Februar 1996 als Präsidentin aktiv.